Mittlerweile bin ich nur noch unsichtbar online. Nur um zu sehen wer mir schreibt, selbst wenn ich nicht ''da'' bin. Wie eigentlich zu erwarten, tat es keiner. Nur Jay. Sie schreibt mir. Jeden Tag. Selbst wenn sie weiß, dass ich für mehrere Tage nicht da bin, selbst dann. Sie würde mir auch selbst dann schreiben, wenn ich seit 23 tot wäre. Jay würde schreiben. An Weihnachten, an meinem Geburtstag, zu Ostern, zu Silvester. Immer. Sie würde mir schreiben. Sie würde nie die Hoffnung aufgeben, dass ich irgendwann doch zurück schreiben würde. Niemals. Jeder, nur nicht Jay. Aber das machen 15 Jahre nunmal mit einem. Die Jahre kleben die Seelen zwei Personen aneinander, so dass man selbst wenn man sich mal aus den Augen verliert, immer noch weiß, dass der andere da ist. Und niemals gehen wird. Was auch geschieht, die Jahre, die man zusammen hatte, wird einem niemand nehmen können und so sehr einer das versucht, diese zwei Menschen zu trennen, wird es nicht schaffen. Man wird niemals den anderen vergessen und sich immer wieder an ihn zurück erinnern. Egal was geschieht. Egal ob gut oder schlecht. Egal ob früh oder spät. Immer. Und das ist das, was Freundschaft ausmacht, sie endet niemals.
Und während ich das hier alles so schreibe, wir mir klar, dass das genau das ist, warum Syl und Pia so unzertrennlich sind. Es ist so wie bei mir und Jay. Jay ist wie eine Schwester für mich. Sie steht bei mir über alles und jeden. Erst sie, der Rest ist nebensächlich. Doch zum Bedauern, muss dann meist die beste Freundin zurückstecken. Man spielt immer nur die zweite Geige, stellt sich immer als zweites an, redet immer als zweites, wartet immer Stunden auf die Antwort, egal wie lange man schon am schreiben ist, ist sie online, muss man warten. Man sitz immer nur in der zweiten Reihe. Aber so ist das eben.
Aber ich kann warten, ich hab mein Leben lang gewartet. Ich hab zu warten, denn vor mir ist immer noch die erste Reihe, in der ich nie sitzen werde.Ich werde für niemanden wichtig genug sein, um dort Platz nehmen zu können. Selbst bei Jay. Nur der Unterschied dabei zu Jay ist, dass ich nicht zusehe, sondern dabei bin. Mir und Jay wird zugesehen. Uns beiden. Und vielleicht wünscht sich irgendwann einer, bei uns in der ersten Reihe sitze zu dürfen. Vielleicht wir es einer eines Tages tun.
Doch bis dahin, bleibt die erste Reihe leer.
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